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Flachdächer auf Dauer dicht

Das Dach ist der Teil des Hauses, der am meisten extremen Witterungsverhältnissen ausgesetzt ist. Ein neues Dach stellt selten ein Problem in punkto Dichtheit dar. Anders sieht es bei älteren reparaturbedürftigen Dächern aus. Eine Überholung oder Erneuerung kann aus ganz unterschiedlichen Gründen notwendig werden. Nicht immer ist eine beschädigte Dachabdichtung Grund hierfür. Beispielsweise kann auch eine Funktionsänderung des Gebäudes oder die Verbesserung des Wärmeschutzes eine Sanierung des Daches notwendig machen. Grundsätzlich sollte das Ziel jeder Instandsetzung die Wiederherstellung der funktionsfähigen Dachabdichtung und/oder eine Erhöhung des Qualitätsniveaus sein. Dabei gleicht keine Sanierung der anderen, jede stellt ihre speziellen Anforderungen an Planer und Handwerker. Wichtig ist immer, dass alle Maßnahmen individuell auf den Zustand des Daches abgestimmt sind und mit belastbaren, zukunftssicheren Produkten ausgeführt werden. Daher ist im Vorfeld jeder Dachsanierung zunächst eine gründliche Bestandsaufnahme notwendig.

Am Anfang steht die Inspektion

Als zeitgemäße Dienstleistung empfiehlt es sich für den Handwerker, Hauseigentümern Wartungsverträge für eine regelmäßige Dachinspektion im Frühjahr und Herbst anzubieten. Neben einem dauerhaft dichten Dach führen solche Kontrollen zu einer erhöhten Kundenbindung und -zufriedenheit. Bei der Inspektion werden die Abdichtung, alle An- und Abschlüsse sowie die Durchdringungen geprüft. Aber auch Gullys, Rinnen, Laubfänge und Fallrohre sind zu inspizieren, weiterhin sollte Laub und Fremdbewuchs entfernt werden.

Auf Basis des aufgenommenen Ist-Zustandes kann dann gemeinsam mit dem Bauherrn beraten werden, ob Erhaltungsmaßnahmen notwendig sind, eine kleinere Reparatur oder gar eine komplette Erneuerung des Dachaufbaus. Bei dieser Gelegenheit sollten die unterschiedlichen Abdichtungssysteme mit ihren Besonderheiten besonders kritisch unter die Lupe genommen werden. Nur so kann das Dach danach für Jahrzehnte Gebäude und Bewohner sicher schützen.

Dachsanierung - Planung von A bis Z

Für die Sanierung eines Daches müssen zunächst einige elementare Punkte berücksichtigt werden. So sind bei bestimmten Größenordnungen zwingend die gesetzlichen Bestimmungen der Energieeinsparverordnung zu berücksichtigen. Generell ist auch die bauphysikalische Situation des Daches zu prüfen. Dies gilt besonders, wenn das Gebäude eine neue Nutzung erfährt, beispielsweise wenn eine ehemalige Fabrikhalle in einen Bürokomplex umgewandelt wird. Aufgrund des vorgefundenen Befundes ist dann zu prüfen, ob bestehende Abdichtungsschichten belassen werden können. Bei der einfachsten Art der Flachdachsanierung wird auf die bereits vorhandene Dachabdichtung einfach eine weitere Abdichtungslage aufgebracht. Dieses Verfahren kann nur dann Anwendung finden, wenn das Dach überholungsbedürftig, aber in seiner Funktion einwandfrei ist. Wenn die alten Schichten auf dem Dach verbleiben können, ist immer zu prüfen, ob die alten und die neuen Abdichtungsmaterialien miteinander verträglich sind. Bei Bitumen- und Elastomerbitumenbahnen ist das in der Regel der Fall. Bei anderen Abdichtungsmaterialien kann dies zu Problemen führen oder ist teilweise überhaupt nicht möglich.

Bei einer Flachdach-Komplettsanierung sollte unbedingt auf ein ausreichendes Gefälle zur Ableitung des Niederschlagswassers geachtet werden. Bei so genannten Null-Grad-Dächern ist das heute einfach durch eine Gefälledämmung herzustellen. Abhängig vom Ergebnis der Bestandsaufnahme sind gegebenenfalls Trenn- beziehungsweise Ausgleichsschichten einzuplanen. Die Funktion der Ausgleichsschicht kann auch von einer speziellen Wärmedämmung übernommen werden.

Für alle Sanierungsvarianten, bei denen das alte Abdichtungspaket auf dem Dach verbleiben kann, ist zu beachten, dass sich durch zusätzliche Abdichtungslagen das zu tragende Gewicht für die Dachkonstruktion erhöht. Deshalb muss überprüfen werden, ob die Tragfähigkeit der Konstruktion für die erhöhte Dachlast ausreicht. Vor dem Aufbringen der neuen Dachbahnen stehen einige Arbeitsschritte, die eine zuverlässige Verbindung der Bahnen untereinander sicherstellen. So muss die Dachfläche gründlich gesäubert, Kanten und Grate entfernt und Unebenheiten wie Wellen, Blasen oder Falten abgestoßen und ausgeglichen werden. Bei Dächern mit Kiesschüttung muss diese vor dem Aufbringen der neuen Bahnen restlos abgeräumt werden. Zur Erhöhung der Klebfähigkeit wird in der Regel ein Voranstrich oder eine Grundierung aufgebracht.

Sicher für die Zukunft

Bei Dachabdichtungen sind noch weitere Gegebenheiten zu berücksichtigen. So ist u.a. die DIN 1055-4 zu beachten. Sie regelt die Sicherung der Bahnen gegen Abheben durch Windsog. Das ist heutzutage bei den zunehmend stärker werdenden Stürmen wichtiger denn je. Je nach Windgefährdung sollte die Dachabdichtung gegebenenfalls mechanisch befestigt werden. Auch die in den letzten Jahren verstärkt auftretenden Hagelunwetter sollten bei der Wahl des Abdichtungsmaterials beachtet werden. Mechanisch stark belastbare Bahnen aus Polymerbitumen und Bitumen bieten die notwendige hohe Durchschlagfestigkeit. Auch bei der Verlegung der Dachbahnen gibt es Einiges zu beachten. So sollten Dachbahnen in Gefällerichtung verlegt werden. Bei Dachneigungen ab rund drei Grad (5,2 Prozent) sind zusätzliche Maßnahmen gegen Abrutschen erforderlich. Bei mehrlagigen Abdichtungen sind Bahnen versetzt anzuordnen, Kreuzversatz ist zu vermeiden. Auf Nummer Sicher gehen Planer und Verarbeiter, wenn sie die einschlägigen Fachregeln beachten (- "Technische Regeln für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit Polymerbitumen- und Bitumenbahnen - abc der Bitumenbahnen" des vdd und die Flachdachrichtlinien des ZVDH) sowie die jeweiligen Herstellervorschriften.

Selbstklebende Lösung

Das Aufbringen von hochwertigen, modernen Kaltselbstklebebahnen aus speziellen Elastomerbitumen-Mischungen sind sehr zuverlässig in der Anwendung. Hierbei werden diese Bahnen ohne offene Flamme verlegt, da sie auf der Unterseite mit Kaltselbstklebebitumen belegt sind, die mit einer Trennfolie abgedeckt ist. Auf der Oberseite ist der Nahtbereich auf rund acht Zentimeter ebenfalls kaltselbstklebend. Nach Abziehen der Trennfolie wird die Bahn durch Andrücken auf den Untergrund aufgeklebt. Nach dem Entfernen der Nahtfolie ist die Bahn dann sofort dicht. Nachträgliche Korrekturen sind allerdings nicht mehr möglich, deshalb muss bei diesem Verfahren das Ausrichten präzise erfolgen. Zur Vermeidung von Kapillaren, insbesondere an Nähten und Stößen, sind gesonderte Maßnahmen zu ergreifen. Dies kann beispielsweise am T-Stoß durch einen 45°-Schnitt der unterdeckenden Bahn erfolgen. Im Stoßbereich ist gegebenenfalls ein Bitumenkaltkleber flächig aufzubringen. Oft kann eine optimale Verklebung auch durch einen Heißluftfön erreicht werden. Die Nähte sollten sicherheitshalber immer mit einem speziellen Nahtroller angedrückt werden.

Fazit

Sowohl regelmäßige Inspektionen wie auch die gründliche Vorbehandlung der Dachfläche legen den Grundstein für eine erfolgreiche und dauerhaft dichte Flachdachsanierung. Erst wird der genaue Ist-Zustands des Daches fachmännisch festgestellt, dann kann entschieden werden, welches Sanierungsverfahren Anwendung findet. Generell muss dabei die Verträglichkeit von alten und neuen Dachschichten berücksichtigt werden. Moderne Verlegetechniken, wie das Kaltselbstklebeverfahren, helfen dabei nicht nur Arbeitszeit und Energie einzusparen, sondern sorgen für ein zukunftssicheres dichtes Dach. Ausführliche Informationen zum Thema Flachdach bei Neubau und Sanierung hält der vdd Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen e.V. auf der Internetseite www.derdichtebau.de bereit. Dort können u.a. die Broschüren "Halten Sie die Kosten flach - Flache Dächer wirtschaftlich sanieren" und "Technische Regeln für die Planung und Ausführung von Abdichtungen mit Polymerbitumen- und Bitumenbahnen" kostenlos bestellt werden.



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Diese Serie liefert Detailinformationen für Architekten, Planer und Verarbeiter
  • Kaltselbstklebeverfahren

    Verarbeitung von Kaltselbstklebebahnen – die Bitumen-Deckschichten sind mit einer besonderen Kaltklebefähigkeit ausgestattet. Durch Entfernen der Abziehfolie werden die Bahnen auf dem Untergrund bzw. untereinander kalt verklebt.

  • Schweißverfahren

    Beim Schweißverfahren wird die Unterseite der Bahn mit einem Propanbrenner erhitzt und die so angeschmolzene Bitumendeckschicht für die Verklebung der Bahn verwendet.

  • ADAC-Zentrale, München

    Im Gewerbegebiet des Westends, direkt an der Bahntrasse gelegen erhebt sich weithin sichtbar der 93 Meter hohe Turm, unter dessen Dach der ADAC seine 2.400 Münchner Mitarbeiter wieder vereint.

  • WestendDuo, Frankfurt

    In luftiger Höhe von fast 100 Metern stellen starke Luftströmungen mit unterschiedlichen Sog- und Druckbereichen hohe Anforderungen an die Dachabdichtung.

  • Vortrag Martin Haas

    Die Planung der Unilever Firmenzentrale stellte gleich zahlreiche Herausforderungen an das Stuttgarter Architekturbüro. DBZ+BAUcolleg ließ ein großes Fachpublikum daran teilhaben.

  • Marco Polo Tower

    Auf 17 Ebenen bietet der Marco Polo Tower 58 ein- und zweigeschossige Luxuswohnungen mit umlaufenden Terrassen und Balkonen.

  • Unilever-Haus, Hamburg Details

    Das prämierte Konzept von Behnisch Architekten setzt auch bei der Dachabdichtung auf nachhaltige und hochwertige Materialien.

  • Unilever-Haus, Hamburg

    Kurze Impressionen zum Gebäudekonzept des Unilever-Hauses in der Hamburger HafenCity.

  • Gießverfahren

    Beim Gießverfahren wird Heißbitumen aus der Kanne so vor die aufzuklebende Bahn gegossen, dass beim Einrollen ein Bitumenwulst auf ganzer Bahnenbreite vor der Rolle herläuft.

  • Wandanschluss

    An- und Abschlüsse an Dachrändern, aufgehenden Bauteilen und Durchdringungen sind unabhängig von der Anzahl der Lagen der Flächenabdichtungmindestens zweilagig auszuführen.

  • Lichtkuppelanschluss

    Es wird empfohlen, Anschlüsse von Dachabdichtungen an Lichtkuppelaufsatzkränze durch vollständiges Eindichten des Aufsatzkranzes bis zum oberen Rand herzustellen.

  • Dachgully

    Dachflächen mit einer in das Gebäude abgeführten oder am Gebäude verlaufenden Entwässerung müssen mindestens einen Ablauf und einen Notüberlauf mit freiem Abfluss über die Fassade erhalten.

  • Bewegungsfuge

    Die Anordnung von Bewegungsfugen in der Dachkonstruktion richtet sich nach baukonstruktiven Erfordernissen. Sie sind in allen Schichten des Dachaufbaues auszubilden.

  • Dachrandabschluss

    Die Abdichtungsbahnen des Anschlusses sollen bis zur Außenkante der Aufkantungen geführt werden. Die Anschlussbahnen sind im Übergangsbereich zur Dachebene abzusetzen.

  • Entstehung von Bitumenbahnen

    Der Weg vom Erdöl bis zur fertigen Bitumenbahn wird in diesem Kapitel ausführlich dargestellt. Dabei werden die verschiedenen Bitumenarten und die Trägereinlagen sowie deren Funktion detailliert erklärt.

  • Bitumen

    Bitumen wird durch Destillation von Erdöl gewonnen. Dieser großtechnische Prozeß ist der Natur abgeschaut.

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Bitumenbahnen lieben Herausforderungen

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